Zwischen Januar und Ende Juli 2019 gab es global gesehen die höchste Zahl an gemeldeten Masernfällen seit 2006 im gleichen Zeitraum. Bis Ende Juli wurden in 182 Ländern nach vorläufigen Zahlen fast 365.000 Masernfälle registriert, fast drei Mal so viele wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres und mehr als im Gesamtjahr 2018, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf berichtete.

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt. Betroffen sind meist Kinder. Die Viren werden beim Sprechen, Husten oder Niesen über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen. Die Erkrankung geht zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. Die Infektion schwächt das Immunsystem immens, weitere Infektionen sind darum häufig.

Eigentlich sollten Masernviren längst ausgerottet sein

Eine gefürchtete Folge ist eine Gehirnentzündung, die Masern-Enzephalitis, die tödlich oder mit bleibenden Schäden enden kann. Als Spätfolge einer Maserninfektion kann sich zudem nach Jahren eine sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ausbilden, eine Entzündung der Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks. Sie führt zum Ausfall von Gehirnfunktionen und schließlich zum Tod.

Eigentlich sollte die Krankheit durch konsequentes Impfen bis 2020 ausgerottet werden. Doch schon im vergangenen Jahr hatte sich die Zahl der Masernfälle verdoppelt. Dass es Schwankungen gibt, ist normal: Weil die Krankheit so ansteckend ist, lässt schon ein Masernausbruch die Fallzahlen in die Höhe schnellen. Allerdings waren die Masern-Zahlen bis 2016 weltweit rückläufig.

Ein Grund für die erneute Zunahme ist laut WHO Impfmüdigkeit. Die WHO führt die Vermeidung von Impfungen deshalb nun als globale Gesundheitsbedrohung. Laut WHO könnte die tatsächliche Zahl der Masernerkrankungen noch deutlich höher liegen, weil längst nicht alle Fälle gemeldet werden. Die aktuellsten WHO-Schätzungen über die wahren Zahlen beziehen sich auf 2017. Damals seien vermutlich 6,7 Millionen Menschen an Masern erkrankt und 110.000 gestorben.
Besonders betroffen von Masernausbrüchen ist laut WHO Afrika. Dort sei die Zahl der gemeldeten Fälle in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 900 Prozent gestiegen, in der Westpazifikregion um 230 Prozent, so die WHO. In den USA haben sich in diesem Jahr so viele Menschen mit Masern infiziert wie seit mehr als 25 Jahren nicht. Dabei galt die Krankheit in einigen Bundesstaaten bereits als ausgerottet.

In der Europa-Region stieg die Zahl der Infektionen laut WHO um 120 Prozent. Zu Europa zählten die Forscher neben der EU allerdings auch Russland, die Türkei, Israel und die in Asien liegenden Länder Usbekistan und Aserbaidschan. In der Ukraine grassierten die Masern besonders heftig.

540 Fälle in Deutschland

Auch in Deutschland zeichnet sich ein deutlicher Anstieg der Masernfälle an. Nach knapp 930 Masern-Fällen 2017 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Jahr 2018 etwa 540 Fälle gemeldet. In diesem Jahr haben aber schon mehrere Bundesländer mehr Masernfälle gemeldet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Laut einer aktuellen Auswertung der Barmer Krankenkasse sind in Deutschland deutlich weniger Kinder gegen Masern geimpft als bisher gedacht. Für eine Schutzwirkung in der Gesellschaft seien Immunisierungsraten von mindestens 95 Prozent nötig. Der Erhebung zufolge waren aber bei keiner wichtigen Infektionskrankheit (wie etwa Masern, Mumps oder Röteln) ausreichend Kinder immunisiert, die Impfquoten lagen laut Kasse durchweg unter 90 Prozent. Zudem gibt es viele junge Erwachsene, die nicht ausreichend geimpft sind und das gar nicht wissen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät, Kinder im Alter von elf bis 14 Monaten das erste Mal gegen Masern zu impfen. Im Alter von 15 bis 23 Monaten sollte die zweite Dosis folgen.

Das Bundeskabinett hat ein Gesetz für eine Masern-Impfpflicht in Deutschland auf den Weg gebracht. Ab März 2020 müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind. Der Bundestag muss noch zustimmen.

"Millionen Menschen sind weltweit in Gefahr", berichtete die WHO. Sie empfiehlt Reisenden, ihren Impfstatus zu prüfen. Ab einem Alter von sechs Monaten sollte jeder spätestens 15 Tage vor einer Reise in betroffene Regionen geimpft werden.