Die ersten beiden Grafikkarten aus AMDs Navi-Generation hören auf die Namen Radeon RX 5700 XT und Radeon RX 5700. Beide nutzen die Navi-10-GPU, welche die neue Oberklasse abdeckt, aber unterhalb von Vega 20 positioniert wird, welcher auf der Radeon VII sitzt. Vorab: Navi 10 ist genau 251 mm² groß und umfasst 10,3 Milliarden Transistoren. Zur Erinnerung: Vega 10 nutzt 12,5 Mrd. Transistoren auf 486 mm² in Globalfoundries' 14LPP-Prozess, Vega 20 13,2 Mrd. auf 331 mm². Letztere GPU skaliert schlechter mit TSMCs 7-nm-Prozess, weil sich die schnellen PCI-Express-4.0- und Infinity-Fabric-Controller schlecht schrumpfen lassen.

Radeon RX 5700 XT mit Navi-10-Vollausbau
Das schnellste Modell, die Radeon RX 5700 XT, kommt mit einer vollaktivierten Navi-10-GPU daher. Das bedeutet: 2.560 Shader-Einheiten organisiert innerhalb von 40 Compute Units und ein 256 Bit breites Speicher-Interface mit Auslegung für GDDR6-RAM. AMD verbaut 8 GiByte mit 14 Gbps (7.000 MHz), was eine Bandbreite von 448 GB/s ergibt. GPU-seitig spricht der Chiphersteller nunmehr von einem Basis-, Game- und Boost-Takt. Die Erklärung dahinter ist simpel: Der Basistakt wird unter Last und "normalen" Betriebsbedingungen garantiert, der Boost-Wert entspricht dem Ende der Fahnenstange. Der Game-Takt soll eine realistische Praxisangabe darstellen.

Im Falle der Radeon RX 5700 XT werden 9,75 TFLOPS FP32-Rechenleistung bei bis zu 1.905 MHz GPU-Frequenz genannt. Die sogenannte Total Board Power (TBP) beläuft sich auf 225 Watt. Die Radeon RX 5700 nutzt einen leicht abgespeckten Navi-10-Grafikchip mit 36 Compute Units respektive 2.304 Shader-Einheiten. Speicherseitig bleibt es bei 8 GiByte 14-Gbps-GDDR6. Mit einem niedrigeren GPU-Takt von 1.465 bis 1.725 MHz begrenzt AMD die TBP auf 180 Watt.

RDNA soll Rohleistung besser auf die Straße bringen
Obwohl Navi 10 deutlich weniger Rohleistung aufweist, sollen Grafikkarten mit der GPU in der Praxis deutlich schneller ausfallen als die GCN-basierten Vorgänger inklusive der Radeon RX Vega 64 mit 4.096 Shadern. Das liegt an der RDNA-Architektur, die AMD als grundlegende Neuerung gegenüber dem Graphics Core Next versteht. Auf dem Techday ging der Chiphersteller konkreter auf die Details des GCN-Nachfolgers ein.

Pro Compute Unit bleibt es oberflächlich bei 64 FP32-Shadern, die jedoch neu organisiert werden. Statt vier SIMD16- stecken in jeder CU zwei SIMD32-Blöcke. Diese können mit einer Verdoppelung der Scheduler wahlweise eine Wave64- oder zwei Wave32-Instruktionen pro Takt abarbeiten, was die Auslastung bis zu vervierfachen soll. GCN bis Vega setzt Wave64-Formate voraus, die alle vier Takte verteilt werden können. Im Worstcase füttert eine Instruktion lediglich eine SIMD16-Einheit, während drei Viertel einer CU keine Arbeit haben - an dieser Stelle setzen GCN-spezifische Optimierungen seitens der Entwickler an, um mehr Leistung aus Vega und Co. zu kitzeln. Navi 10 beherrscht indes wie gehabt eine doppelte FP16-Rate. Zwei Compute Units lassen sich zu einem Workgroup Processor zusammenschließen, was die Leistung steigern kann, wenn sie auf dieselben Daten zugreifen wollen. Zur FP64-Unterstützung äußerte sich AMD nicht, eine hohe Rate würden wir in Angesicht des Gaming-Fokus nicht erwarten.

Darüber hinaus stellt AMD den Cache als grundlegende Überarbeitung zur Leistungssteigerung dar. Bisher kamen kleine Instruktions- und Daten-Caches zum Einsatz, die sich mehrere Compute Units teilen. Danach wurde direkt der mehrere MiByte große, aber vergleichsweise langsame L2-Cache geschaltet. Bei RDNA beziehungsweise der konkreten Implementierung in Navi 10 bezeichnet AMD die bisherigen CU-Zwischenpuffer als L0 - wohlgemerkt sind diese jetzt größer und schneller. Vor dem L2-Cache befindet sich jetzt noch ein L1, der die Datenlokalität erhöht. 10 Compute Units teilen sich innerhalb einer Shader-Engine 128 KiByte L1-Cache. Insgesamt sind vier vorhanden, was 512 KiByte ergibt. Der L2-Puffer umfasst wie bei Vega 10 4 MiByte. Um die Speicherverbesserungen in Kontext zu setzen: AMD spricht von einer um bis zu 24 Prozent reduzierten Latenz bei Navi 10 verglichen mit Vega 10.

Weitere Verbesserungen betreffen eine entschlackte Logik, was zusammen mit dem 7-nm-Prozess von TSMC die höheren Taktraten ermöglichen soll. Die verlustfreie Farbkompression (Delta Color Compression, DCC) soll innerhalb der kompletten Grafik-Pipeline greifen und daher deutlich mehr Bandbreite sparen als noch bei Vega. Bei der Display-Engine betont AMD die Unterstützung für die verlustfreie Kompressionstechnik Display Stream Compression 1.2 innerhalb der Displayport-1.4-Spezifikation, um 144 Hertz bei Ultra HD ohne sichtbare Farbkompression zu ermöglichen. Für die Technik braucht es allerdings auch Monitore, die sie unterstützen. HDMI 2.1 fehlt derweil noch - schade!

Neue AMD-Benchmarks zur Radeon RX 5700 (XT)
Mit dem angegebenen Game-Takt von 1.755 MHz erreicht die Radeon RX 5700 XT eine theoretische FP32-Rechenleistung von rund 9 TFLOPS. Das entspricht einem Rückgang von fast 30 Prozent gegenüber der Radeon RX Vega 64 (12,66 TFLOPS bei 1.546 MHz). Die praktische Leistung soll wegen der höheren Leistung pro Takt besser ausfallen, deren Plus AMD auf 25 Prozent beziffert. Der Effizienzvorteil belaufe sich auf 50 Prozent.

Wie die Leistung konkret aussieht, macht der Chiphersteller anhand einiger intern erstellter Benchmarks fest. Da diese nicht unabhängig entstanden sind, sollten Sie sie mit Vorsicht genießen. Sie geben aber einen ersten guten Anhaltspunkt. Auf der Computex 2019 zeigte AMD einen Strange-Brigade-Benchmark, wo die Radeon RX 5700 XT 10 Prozent schneller abschnitt als die Geforce RTX 2070. Das Ergebnis relativierte PC Games Hardware, weil der Titel auf GCN besonders gut läuft. Auf dem Techday wurden Performance-Werte in Spielen genannt, die weniger zugunsten AMDs ausgelegt sind. So soll die Radeon RX 5700 XT in Assassin's Creed Odyssey, Call of Duty: Black Ops 4, Far Cry New Dawn, The Division 2, The Witcher 3 und Ghost Recon Wildlands in 1440p wenige Prozent schneller ausfallen. In Battlefield 5 und Metro Exodus sei das relative Plus zweistellig. In Shadow of the Tomb Raider und Civilization 6 hingegen falle der Navi-10-Vollausbau minimal langsamer aus als eine Geforce RTX 2070.

Die Angaben verdeutlichen, dass sich die AMD-Präferenz in Spielen verschiebt. Metro Exodus schmeckte GCN kaum, RDNA hingegen soll dort überdurchschnittlich gut performen - die Radeon RX 5700 XT müsste den Angaben zufolge besser als eine Radeon VII abschneiden. The Division 2 hingegen stellte eine Art Best-Case vor allem für Vega dar, scheint jetzt aber nur noch dem Durchschnitt zu entsprechen. Noch besser soll es derweil für die Radeon RX 5700 gegen Nvidias Geforce RTX 2060 aussehen, die in allen genannten Spielen mehr Fps auf den Bildschirm bringe.

Ab dem 07. Juli für 379 respektive 449 US-Dollar erhältlich
AMD wird die Radeon RX 5700 XT und Radeon RX 5700 parallel zur Prozessorfamilie Ryzen 3000 am 07. Juli veröffentlichen. Das kleinere Modell weist eine unverbindliche Preisempfehlung von 379 US-Dollar auf, das größere wird auf 449 US-Dollar beziffert. AMD spricht von einer "Leadership-Performance" in den jeweiligen Klassen. In Europa liegen die Euro-UVPs inklusive Steuern erfahrungsgemäß minimal über den USD-Angaben. Wie sie sich nach der Markteinführung einpendeln werden, wird maßgeblich von der Verfügbarkeit abhängen. Die Radeon VII unterschreitet die UVP zurzeit um rund 10 Prozent. Um Navi attraktiver zu gestalten, ist im Lieferumfang ein dreimonatiger Xbox Game Pass for PC von Microsoft enthalten.

Blower-Referenz zum Start, Custom-Designs später
An dieser Stelle noch eine Erinnerung zum Verkauf der Radeon RX 5700 XT und Radeon RX 5700. Der Chiphersteller setzt auf Direct-Heat-Exhaust-Kühllösungen, deren Radiallüfter die Abwärme über die Slot-Blende aus dem Gehäuse befördern. Das schnellere Modell wird als Premiumvariante mit einer Kühlerabdeckung und Backplate aus Aluminium versehen. Die Radeon RX 5700 hat AMD bisher nur auf Render-Bildern gezeigt, die zumindest teilweise von der metallenen Radeon RX Vega 64 übernommen wurden: Sie zeigen noch zwei 8- statt 6-Pin-Stecker. Diese DHE-Referenzdesigns werden am 07. Juli erhältlich sein. Die Boardpartner gehen davon aus, ab August ihre Navi-Custom-Designs ausliefern zu können.