Nach dem mutmaßlichen Angriff auf zwei Tanker im Golf von Oman steuern die beiden Schiffe die Vereinigten Arabischen Emirate an. Auf der "Front Altair" und der "Kokuka Courageous" hatten sich am Donnerstagmorgen Explosionen ereignet. Der norwegische Öltanker "Front Altair" geriet in Brand. Wer hinter den Attacken steckt, ist nach wie vor nicht bekannt.

Die "Kokuka Courageous" werde in Fudschaira oder Chor Fakkan anlegen, teilte die japanische Reederei Kokuka mit. Auch die "Front Altair" ist dorthin unterwegs. Nach Angaben der Reederei Frontline ist der Tanker inzwischen aus iranischen Hoheitsgewässern geschleppt. Die iranische Nachrichtenagentur Isna meldete, das Schiff steuere ebenfalls das Küstengebiet um die Städte Fudschaira und Chor Fakkan an.

Der japanische Tanker hat Methanol geladen. Die hochentzündliche Fracht soll nun in dem Hafen verladen werden. Frontline überlegt laut einem Sprecher, die Ladung Naphtha - ein Erdölderivat - auf ein anderes Schiff umzuladen.

Frontline hatte am Freitagabend mechanisches oder menschliches Versagen als Ursache ausgeschlossen. Was die Detonation tatsächlich ausgelöst habe, sei nach wie vor unbekannt und werde untersucht. Solange es keine weiteren Informationen gebe, werde Frontline "extreme Vorsicht" walten lassen, wenn es um neue Transportaufträge in der Golfregion gehe.

Die 23 Besatzungsmitglieder der "Front Altair" waren alle von einem Frachter gerettet worden. Das Feuer wurde binnen Stunden gelöscht. Die iranische Marine habe am Freitagabend die Genehmigung erteilt, den Tanker abzuschleppen, teilte Frontline weiter mit. Man erarbeite außerdem Pläne, die Crew aus Iran heimzuholen.

Wer war es? Die Diskussion dauert an
Der Präsident der USA, Donald Trump, warf Iran vor, die beiden Tanker angegriffen zu haben. Er verwies auf ein vom US-Verteidigungsministerium veröffentlichtes Video, das ein Patrouillenboot der iranischen Revolutionsgarden zeigen soll, wie es an einem der Tanker festmacht, um eine nicht explodierte Haftmine vom Rumpf zu entfernen.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wies die Vorwürfe der USA als "gegenstandslos" zurück. Die US-Regierung beschuldige Iran, ohne einen "Schnipsel" Beweise vorzulegen, kritisierte er. Der iranische Präsident Hassan Ruhani bezeichnete die USA als "schwere Bedrohung für die Stabilität" in der Region.

Auch Großbritannien machte Iran für die Angriffe verantwortlich. Teheran stecke nach Einschätzung seiner Regierung mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" dahinter, erklärte der britische Außenminister Jeremy Hunt.

Uno-Generalsekretär Antonio Guterres rief zu einer unabhängigen Untersuchung des Vorfalls auf. Es müsse herausgefunden werden, wer für die Explosionen an Bord der beiden Schiffe verantwortlich sei. "Es ist sehr wichtig, die Wahrheit zu erfahren." Es sei Aufgabe des Uno-Sicherheitsrats, solche Ermittlungen in die Wege zu leiten.

US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan forderte eine gemeinsame Reaktion der internationalen Gemeinschaft, um den Konflikt zu lösen. Ähnlich äußerte sich der japanische Handelsminister Hiroshige Seko. Mit Blick auf die weltweite Energiesicherheit müsse die Weltgemeinschaft eine gemeinsame Antwort finden, sagte Seko.

Jürgen Chrobog: Iraner berechenbarer als die USA
"Der Konflikt muss institutionalisiert und internationalisiert werden", sagte auch der deutsche Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour. Er forderte in der "Passauer Neuen Presse" eine unabhängige internationale Untersuchung und warnte vor Spekulationen. Er hielt es für möglich, dass sich Kräfte in Iran verselbstständigt hätten oder Mächte wie Saudi-Arabien eine Eskalation befördern wollten.

Derweil äußerte der frühere deutsche Botschafter in Washington, Jürgen Chrobog, Zweifel an den Schuldzuweisungen der USA. Für eine Täterschaft des Iran gebe es keine Beweise, sagte er im "Deutschlandfunk".

Er halte die Iraner inzwischen "für vernünftiger, für berechenbarer" als die USA, sagte der Ex-Diplomat. Zudem gehe Teheran in dem Konflikt ein viel höheres Risiko ein. Das Land sei wirtschaftlich bereits am Boden, die Bevölkerung verarme immer mehr. Durch einen Krieg hätte Iran laut Chrobog "noch mehr zu verlieren". Trump habe aber ebenfalls kein Interesse an einer militärischen Auseinandersetzung in der Region.

Die beiden Tanker hatten kurz vor den Angriffen die Straße von Hormus passiert. Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist einer der wichtigsten Transportwege für internationale Erdöllieferungen.

Die Gefahr einer Blockade der Straße von Hormus durch Iran schloss Trump am Freitag aus. "Sie wird nicht geschlossen, sie wird für lange Zeit nicht geschlossen, und das wissen sie", sagte Trump. Dies sei der Regierung in Teheran "mit sehr deutlichen Worten" gesagt worden.

Die Vorfälle ereigneten sich einen Monat nach "Sabotageakten" gegen vier Schiffe vor der Küste der Emirate. Auch in diesen Fällen machten die USA sowie Saudi-Arabien Iran verantwortlich. Teheran wies die Vorwürfe wie auch in den aktuellen Fällen zurück.