"Genießen Sie den Waffenstillstand im Handelskrieg zwischen Trump und Xi, solange er dauert", riet Mireya Solis, Expertin bei der Denkfabrik Brookings am Mittwoch: "Aber wappnen Sie sich für 2019." Die Ernüchterung allerdings kam noch schneller, als Solis vorhergesagt hatte. Denn die Festnahme der Huawei-Topmanagerin Meng Wanzhou in Kanada auf Ersuchen der USA könnte die Handelsgespräche zwischen China und den USA sprengen, noch bevor sie offiziell begonnen haben.

Meng Wanzhou, die sich Sabrina Meng nennt, ist schließlich nicht irgendwer: Sie ist die Tochter des einflussreichen Huawei-Gründers - und Huawei wiederum ist das Unternehmen, das Chinas Traum vom Aufstieg zur führenden Technologienation verkörpert. Nach Presseberichten werfen die USA dem Kommunikationsausrüster vor, gegen die Iran-Sanktionen verstoßen zu haben.

Das Außenministerium in Peking protestierte scharf und verlangte die Freilassung von Meng Wanzhou. Wie groß der Schock in der Xi-Regierung ist, lässt allerdings eher der Kommentar der "Global Times", des Sprachrohrs der Kommunistischen Partei, erahnen: Die USA würden sich "wie abscheuliche Hooligans" benehmen, wetterte die Zeitung.

Tatsächlich ist das Timing der Festnahme der Managerin brisant: Die kanadischen Behörden setzten die Managerin am Samstag auf einem Zwischenstopp in Vancouver fest - just an dem Tag, als US-Präsident Donald Trump und sein Amtskollege Xi Jinping auf dem G20-Gipfel in Argentinien ihren Handelskrieg vorläufig beilegten. Ob Trump wusste, was 11.000 Kilometer entfernt passierte, während er von der "sehr besonderen" Beziehung mit Xi schwärmte, weiß man nicht. Doch wird das chinesische Staatsoberhaupt das Vorgehen im Rückblick zumindest als Demütigung verstehen. Wenn nicht Schlimmeres.

Festnahme wohl lange geplant 
vermutet Wenran Jiang von der University of British Columbia: Meng Wanzhou "war auf Durchreise in Vancouver. Das heißt, die Geheimdienste in Kanada und den USA haben ihre Spuren verfolgt und die Festnahme schon länger geplant", sagte er der Nachrichtenagentur AP.

Nach US-Presseberichten hat das Justizministerium die Untersuchung gegen Huawei wegen möglicher Sanktionsverstöße durch Geschäfte mit Iran schon vor einigen Monaten eingeleitet. Offiziell wurden seitdem jedoch keine entsprechenden Vorwürfe erhoben.

Tatsächlich haben die USA Huawei schon lange auf dem Kieker. Weil der private Smartphonehersteller enge Verbindungen zum Regime in Peking hat, gilt er als nationales Sicherheitsrisiko. Die Amerikaner fürchten, dass die Chinesen die Huawei-Technologie als Einfallstor für Wirtschaftsspionage und Cyberattacken missbrauchen könnten.