Bei den gewaltsamen Protesten im Irak ist die Zahl der Toten nach Regierungsangaben auf mindestens 93 gestiegen. Fast 4000 Menschen seien in Bagdad und im Süden des Landes seit Beginn der Proteste am Dienstag verletzt worden, erklärte die Menschenrechtskommission des Landes. 540 Demonstranten wurden demnach festgenommen, ein Großteil sei aber bereits wieder freigekommen. Unter den Toten sind nach Angaben aus Polizei- und Ärztekreisen auch sechs Polizisten.

Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Schusswaffen gegen die Demonstranten ein. Das Internet blieb landesweit weiterhin größtenteils unterbrochen.

Die Proteste richten sich gegen Korruption, Stromausfälle und die hohe Arbeitslosigkeit. Die Demonstranten fordern die Regierung von Adel Abdel Mahdi heraus, der vor knapp einem Jahr ins Amt kam.

Irak gehört weltweit zu den größten Ölproduzenten. Von den Einnahmen kommt beim Volk aber wenig an. Die Demonstranten werfen den politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes vor, die Gelder in dunklen Kanälen versickern zu lassen und sich daran zu bereichern.

Regierung verliert auch im Parlament Unterstützung

Am Freitag hatte der einflussreiche irakische Schiitenführer Moktada al-Sadr die Regierung zum Rücktritt aufgerufen. Sein Block stellt die größte Fraktion im Parlament und hatte die Regierung bislang unterstützt. Er forderte auch vorgezogene Neuwahlen unter UN-Aufsicht.

UN-Generalsekretär António Guterres rief die Regierung und die Demonstranten zu einem Dialog auf. Alle Beteiligten müssten "äußerste Zurückhaltung" zeigen.