Wenn jetzt ein neuer Bundestag gewählt würde, käme die SPD im aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer vom Meinungsforschungsinstitut Forsa nur auf elf Prozent. Das ist der niedrigste seit 1949 gemessene Wert für die Sozialdemokraten. Nur noch 5,6 Millionen Wahlberechtigte würden sozialdemokratisch wählen. Bei der letzten Bundestagswahl haben 9,5 Millionen SPD gewählt, bei der Bundestagswahl 1998 waren es 20,2 Millionen.

Die SPD ist demnach nur noch viertstärkste Kraft in Deutschland und liegt hinter der AfD (13 Prozent). Die meisten Stimmen bekämen die Grünen mit 27 Prozent, gefolgt von CDU/CSU (24 Prozent). Schwächer als die SPD sind nur noch FDP (neun Prozent) und Linke (acht Prozent). Die sonstigen Parteien zusammen kommen auf acht Prozent. AfD und FDP haben sich gegenüber der Vorwoche um jeweils einen Prozentpunkt verbessert, die sonstigen Parteien verlieren einen Prozentpunkt. Bei Grünen, Union und Linkspartei ändert sich nichts.

In den Umfragen anderer Institute der vergangenen Woche liegt die Union zwischen 24 und 27 Prozent, die Grünen zwischen 26 und 27 Prozent, die SPD zwischen zwölf und 13 Prozent, die AfD zwischen zwölf und 13,5 Prozent, die FDP zwischen sieben und neun Prozent, die Linke zwischen sieben und acht Prozent sowie die sonstigen Parteien zusammen zwischen sieben und neun Prozent.

Unausweichlicher Niedergang?
59 Prozent der Deutschen würden es laut Forsa „persönlich bedauern, wenn die SPD in der Bedeutungslosigkeit verschwinden würde“. 36 Prozent wäre das egal. Laut der Umfrage trauern über den Niedergang der SPD besonders die über 60-Jährigen, die SPD-Anhänger und die früheren SPD-Wähler. Doch immerhin zwei Drittel der Anhänger der Union und sogar 70 Prozent der Grünen-Wähler bekunden persönliches Bedauern, sollte die SPD von der politischen Bühne verschwinden.

Allerdings glauben nur wenige potenzielle Wähler, dass die SPD sich von ihrer Schwäche erholen könnte. 69 Prozent der Befragten sind überzeugt davon, dass die Sozialdemokraten das verloren gegangene Vertrauen in absehbarer Zeit nicht zurückgewinnen können. Dieser Auffassung ist auch jeder fünfte SPD-Anhänger. Von den früheren SPD-Wählern haben sogar 72 Prozent die Hoffnung aufgegeben, die SPD könnte wiedererstarken.

Auch Kühnert wäre keine Lösung
Könnte der Juso-Chef Kevin Kühnert die SPD aus ihrem Stimmungstief führen? 56 Prozent der Bundesbürger trauen ihm das nicht zu. 23 Prozent halten Kühnert für geeignet, neuer SPD-Chef zu werden, 21 Prozent haben dazu keine Einschätzung. Auch die SPD-Anhänger und die früheren SPD-Wähler setzen nur zu einem Viertel ihr Vertrauen in den Juso-Vorsitzenden.

Könnte Oskar Lafontaines Vorschlag, die SPD mit der Linkspartei zu vereinigen, den Sozialdemokraten helfen? 30 Prozent halten das für einen guten Vorschlag, 58 Prozent sind dagegen. Mehrheitlich dafür sind lediglich die Anhänger der Linkspartei. 60 Prozent der SPD-Anhänger und 63 Prozent der früheren SPD-Wähler dagegen lehnen diese Idee ab.

Die Daten zur Parteipräferenz wurden von Forsa vom 11. bis 14.6. erhoben. Datenbasis: 2001 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/– 2,5 Prozentpunkte.
Die Daten zur Einschätzung der SPD wurden vom 12. bis 14.6. erhoben. Datenbasis: 1505 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/– 3 Prozentpunkte.