Die kommende Version des Edge-Browsers auf Basis der Chromium-Engine ist derzeit für Microsoft ein großes Thema. So hat das Unternehmen einen IE-Modus, eine tiefere Office-365-Integration und Privatsphäretools vorgestellt. Dass das Unternehmen auf das Open-Source-Projekt für die Entwicklung des nächsten Edge setzt, könnte den Browser künftig auch auf weitere Betriebssysteme bringen: Edge auf Linux scheint dadurch möglich zu sein, zumal es etwa den ebenfalls auf Chromium basierenden Google Chrome für diverse Distributionen auf Umwegen bereits gibt. "Es ist unsere Absicht, Edge dorthin zu bringen, wo Entwickler sind", sagt Jatinder Mann, ein Microsoft-Manager bei der Edge-Entwicklung, im Gespräch mit Golem.de. Auf die Frage nach einem Release auf Linux antwortet er: "Wir werden Chromium nicht nur verwenden. Wir werden einen erheblichen Beitrag zu diesem Projekt leisten."

Microsoft macht rund um diese Kooperation noch wenig direkte Zusagen - so auch auf die Frage, ob Google möglicherweise ähnliche Privatsphäretools für seinen Chrome-Browser bringen wird, wie sie für Edge angekündigt wurden. "Es liegt an Google, dies anzukündigen", sagt Mann. Die Tools sind eine der drei Neuerungen, die Microsoft auf der Entwicklerkonferenz Build 2019 für Edge angekündigt hat. Mann erklärt, dass es dabei nicht nur drei vorgefertigte Profile geben wird, sondern die Einstellungen auch manuell angepasst werden können. Die Vision ist es zudem, unterschiedliche Filterregeln für jeweils andere Webseiten zu erstellen. Dabei sei es allerdings nicht die Intention der Entwickler, Werbung zu blocken.

Zusammenarbeit mit Google-Entwicklern

Microsoft arbeitet laut Mann eng mit Google-Entwicklern an dem Projekt, das als quelloffene Software von allen Entwicklern verwendet werden kann. Bei enger Zusammenarbeit ist es normal, dass Ideen von mehr als einer Partei übernommen werden. Microsoft möchte viele Ansätze einbringen, wie Mann erklärt: "Chromium hat momentan noch nicht viele Zugänglichkeitsfunktionen." Microsoft will die Engine beispielsweise um die Webauthentifizierung mit Windows Hello oder FIDO-Sticks ergänzen. Passwortlose Anmeldemöglichkeiten könnten durch Chromium-Edge weiterverbreitet werden und eventuell den Weg schneller auch in Googles Browser finden.

"Indem man Webentwicklern eine konsistentere Webplattform bietet, sieht man größeren Nutzen für diese APIs und weniger Kompatibilitätsprobleme", sagt Mann. Er bestätigt zudem, dass Chrome-Erweiterungen auch mit dem nächsten Microsoft-Edge funktionieren werden. Für Features wie den kommenden Internet-Explorer-Tab wird das wohl schwieriger werden. Es handelt sich dabei laut Mann nicht um eine Virtualisierung oder Containerisierung des alten Microsoft-Browsers. Die proprietäre IE-Engine wird direkt in Edge integriert und ermöglicht daher die Kompatibilität zu Legacy-Anwendungen. Der Support für den Internet Explorer wird aus diesem Grund weiterlaufen. "Es wird keine neuen Funktionen für den IE mehr geben", ergänzt Mann allerdings.