Die britische Premierministerin Theresa May bleibt nach den Worten ihres Schatzkanzlers bis zum endgültigen Abschied Großbritanniens von der EU im Amt. „Soviel ich weiß, hat sie nicht die Absicht, das Amt aufzugeben, ehe sie den (Brexit)Deal abschließt“, sagte Finanzminister Philip Hammond am Freitag mit der Finanzagentur Bloomberg. „Sie ist eine Person mit einem großen Verantwortungsbewusstsein, sie ist eine Person, die sich verpflichtet fühlt, den Briten den Brexit zu liefern, und sie wird dieser Verpflichtung sicherlich nachkommen.“

Hammond betonte, die Regierung sei bereit zu Gesprächen mit Oppositionsführer Jeremy Corbyn über eine Zollunion mit der EU. Doch müssten die Gespräche nicht unbedingt in diese Lösung münden. Das wäre eine engere Bindung, als sie die große Mehrheit der Konservativen für richtig hält. „Wir sind bereit, all diese Dinge mit ihnen (von Labour) zu besprechen“, sagte er. „Aber nur weil dieses Thema auf dem Tisch ist, heißt das nicht, dass wir es akzeptieren oder tun. Aber wir sind bereit, darüber zu reden.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Verlängerung der Brexit-Frist auf Ende Oktober gutgeheißen. Es sei „richtig, alles zu tun, um die negativen Auswirkungen zu begrenzen“, sagte Steinmeier der

(Samstag). Klar sei aber auch: „Daraus darf kein Schrecken ohne Ende werden.“ Deshalb sei die erneute Fristverlängerung zurecht an eindeutige Bedingungen und Erwartungen gebunden.

Mit Blick auf das Ringen um den Ausstieg Großbritanniens sagte Steinmeier, es sei immer weniger zu verstehen und auch immer schwieriger zu erklären, was da stattfinde. „Trotzdem muss uns klar sein: Der Brexit ist ein tiefer Einschnitt mit enormen Folgewirkungen - für Großbritannien, aber auch für das Europa der 27.“

Die Brexit-Nachrichten vom 12. April: Farage will mit Brexit-Partei ins Europaparlament - macht aber einen Fehler

Er will raus aus der Europäischen Union, aber auch wieder rein in ihr Parlament: Der frühere Ukip-Chef Nigel Farage hofft mit seiner Brexit Party auf einen Erfolg bei der Europawahl. Das sagte er beim Wahlkampfauftakt am Freitag in Coventry.

Vor dem Referendum im Jahr 2016 war der langjährige Europaabgeordnete Farage eine der Führungsfiguren der Brexit-Befürworter gewesen. Später zog er sich von der Ukip-Spitze zurück, behielt aber seinen Sitz in Straßburg. Von dort aus wolle er nach einem Wahlsieg mit der im Januar gegründeten Brexit Party künftig "den Parlamentariern in Westminster Angst einjagen", kündigte Farage jetzt an.

Ob Großbritannien an der Europawahl teilnimmt, ist derzeit unklar. Nach zahlreichen Niederlagen im Parlament hofft Premierministerin Theresa May derzeit, ihr Austrittsabkommen zumindest so schnell durchs Unterhaus zu bekommen, dass ihr Land die EU vor dem Wahltermin Ende Mai verlassen kann. Dazu genehmigten ihr die anderen Mitgliedsländer bei einem Sondergipfel in Brüssel in dieser Woche einen erneuten Aufschub.

Mit Coventry hatte sich Farrage einen geschichtsträchtigen Ort für seine Ankündigung ausgesucht: Die historische Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Bombenangriffe in weiten Teilen zerstört.

Der 55-Jährige sagte, er habe den Eindruck, Großbritannien sei "ein Land der Löwen, das von Eseln regiert wird". Ein Spruch, der nach hinten losging: Da Farrage und seine Parteifreunde es versäumt hatten, die Internetadresse "thebrexitparty.com" zu registrieren, tat das stattdessen eine Gruppe von Brexit-Kritikern.

Die Gruppe, die sich "Von Eseln regiert" nennt, veröffentlichte dort einen Wahlaufruf gegen Farrage. Niemand sei mehr als er verantwortlich für den heutigen Zustand des Landes, heißt es dort, und weiter: "Es ist an der Zeit, Farrage aufzuhalten."

Deutsche rigoros: Brexit-Umfrage zeigt harte Haltung

Der Brexit wurde erneut verschoben. Bis zum 31. Oktober muss Großbritannien aus der EU austreten. Das ZDF-Politbarometer hat etwa 1250 Deutsche zum Brexit befragt. 73 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass sich der Brexit noch über eine längere Zeit hinziehen wird. 14 Prozent glauben an einen ungeordneten Austritt in den nächsten Wochen und nur 7 Prozent an einen geordneten Austritt.

Eine längere Verschiebung finden nur 25 Prozent gut und 67 Prozent schlecht. Die Mehrheit will das Drama um den Austritt endlich zu einem Ende bringen. Den Brexit allgemein finden jedoch nur 9 Prozent der Befragten gut. 67 Prozent halten einen Austritt von Großbritannien für schlecht.

Altmaier begrüßt erneute Brexit-Verlängerung

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht in dem Aufschub des Brexit-Termins auf den 31. Oktober eine Chance für die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft, sich besser auf einen Austritt Großbritanniens aus der EU und mögliche Folgen vorzubereiten. "Durch die Verlängerung wird Druck aus dem Verfahren genommen", sagte Altmaier der "Passauer Neuen Presse" (Freitagsausgabe). Dies bedeute für alle Beteiligten mehr Zeit, sich auf die Veränderungen einzustellen.

"Wir haben die Chance, dass die negativen Folgen des Brexits auf die Konjunktur eingedämmt werden können. Das ist eine gute Nachricht", sagte der Bundeswirtschaftsminister. Die Vorbereitungen auf einen möglichen Brexit seien gut. Das werde auch in den nächsten Monaten so bleiben. "Dennoch würde der Austritt eines so großen Mitgliedsstaates am Ende negative Auswirkungen haben", sagte Altmaier. Das gelte insbesondere für den Handel und den Export von deutschen Gütern nach Großbritannien.

Es habe sich überdies gezeigt, dass sich Großbritannien sehr schwer damit tue, die Europäische Union zu verlassen. "Wir werden in Großbritannien noch sehr interessante Debatten erleben", sagte Altmaier weiter. Es bestehe nun die Chance, dass das Verhältnis zwischen den Briten und der Europäischen Union sehr viel enger ausgestaltet werde, weil sich die britische Premierministerin Theresa May um einen parteiübergreifenden Kompromiss bemühe.