Ägyptens früherer Präsident Mohammed Mursi ist tot. Das meldete das staatliche Fernsehen. Er habe während einer Gerichtsverhandlung 20 Minuten lang vor dem Richter gesprochen, sagte ein Justizvertreter. Dabei habe er sich sehr aufgeregt und sei in Ohnmacht gefallen. In dem Prozess ging es um Spionagevorwürfe.

Mursi sei schnell ins Krankenhaus gebracht worden, dort aber gestorben. Auch das staatliche Fernsehen und die staatliche Nachrichtenwebsite Al-Ahram vermeldete Mursis Tod. Die genaue Todesursache ist bislang unbekannt. Mursi wurde 67 Jahre alt.

Sieger bei den ersten freien Wahlen
Mursi war bei den ersten freien Präsidentschaftswahlen Ägyptens im Juni 2012 zum Staatspräsidenten gewählt worden. Er war Vorsitzender der Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, die von der islamistischen Muslimbruderschaft nach der Revolution in Ägypten gegen Langzeitherrscher Husni Mubarak im Jahr 2011 gegründet worden war.

Die Muslimbruderschaft war unter Mubarak verfolgt worden und ist mittlerweile wieder verboten.

Konflikte mit Militär, Justiz und der Revolutionsjugend
Mursis Präsidentschaft war von Konflikten mit dem Militär, mit der Justiz und mit der Revolutionsjugend gekennzeichnet, die die Revolte gegen Mubarak getragen hatte.

Im Sommer 2013 zogen die Ägypter zu Massenprotesten gegen Mursi auf die Straße. Unter Führung des damaligen Armeechefs Abdel Fattah al-Sisi nutzte das Militär die Gunst der Stunde, um den ungeliebten Staatschef zu stürzen.

Urteile mit mehrjährigen Haftstrafen
Seit 2013 stand Mursi in mehreren Strafverfahren vor Gericht, unter anderem wegen der Tötung von Demonstranten bei Protesten gegen seine Herrschaft und wegen angeblicher Spionage für Katar. Dabei erhielt er mehrjährige Haftstrafen.

Viele Kritiker warfen Mursi vor, zu konfrontativ regiert zu haben. Vor allem nicht-islamistische Gruppen sahen ihn kritisch und lehnten eine Zusammenarbeit mit ihm ab, obwohl ihn viele 2012 in der Stichwahl um das Präsidentenamt unterstützt hatten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der enge Beziehungen zu Mursi unterhalten hatte, würdigte ihn als einen "Märtyrer".