Wieben war insgesamt 32 Jahre lang Sprecher der Tagesschau, Deutschlands erfolgreichster Fernseh-Nachrichtensendung. 1966 begann seine ARD-Karriere bei ARD-aktuell in Hamburg: erst im "Off", ab 1972 dann auch vor der Kamera. Von 1974 an moderierte er die Tagesschau.

Zuvor war der an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin ausgebildete Schauspieler am Theater aufgetreten und als Hörfunk-Sprecher sowie Ansager im Fernsehen im Einsatz. 1998 verließ Wieben die Sendung auf eigenen Wunsch.

Wieben hat Tagesschau über Jahrzehnte geprägt
"Wilhelm Wieben hat über Jahrzehnte die Tagesschau geprägt. Stets seriös, kompetent und hoch professionell", sagt NDR-Intendant Lutz Marmor laut eines NDR-Berichts. "Als Sprecher hat er Generationen begleitet. Wilhelm Wieben gehörte zu den prägenden deutschen Fernsehpersönlichkeiten, immer freundlich, zugewandt und nah bei den Zuschauerinnen und Zuschauern."

Der gebürtige Dithmarscher, der später in Hamburg lebte, war auch Autor und Herausgeber verschiedener Bücher auf Plattdeutsch, er gab Lesungen und nahm Hörbücher auf.

Zahlreiche Musiker verewigten Wilhelm Wieben in Songs
Nach seiner letzten "Tagesschau" blieb Wieben konsequent: "Es war für mich eine wunderschöne Berufszeit. Aber wenn es vorbei ist, ist es vorbei", sagte er einmal. Da hatten ihn Musiker wie Falco ("Jeanny"), Udo Lindenberg ("Mein Ding") und die Band Fettes Brot ("Können diese Augen lügen") bereits in Songs verewigt.

Inge Meysel machte seine Homosexualität bekannt
Für Schlagzeilen um ihn sorgte Schauspielerin Inge Meysel (1910-2004), als sie 1995 in einem "Stern"-Interview öffentlich seine Homosexualität ansprach: "Eigentlich habe ich nur schwule Freunde. Ich verreise zum Beispiel gerne mit Wilhelm Wieben", sagte Meysel. Die Reaktionen danach seien einhellig positiv gewesen, erzählte Wieben später und erklärte: "Inzwischen habe ich eigentlich kein Verständnis dafür, wenn jemand aus seiner Homosexualität ein Geheimnis macht."